Kosten und Anbieterabhängigkeit bei SaaS bewerten: Make: Credits ersetzen Operations; für Nicht-KI-Apps gilt 1 Operation = 1 Credit.; EU Data Act: Kündigungsfrist max. 2 Monate; ab 12.1.2027 entfallen Egress-Gebühren.; AVV nach Art. 28 DSGVO ist Pflicht; Bußgeld bis 10 Mio. Euro oder 2 % Jahresumsatz.
Bild: Arbeitsfluss

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Kosten und Anbieterabhängigkeit

Beurteilen Sie Zugänge, Datenbestand, Ausführungen und Wechselaufwand für interne Apps und Workflows anhand eines konkreten Geschäftsfalls.

Beurteilen Sie die Kosten einer internen App oder Automation anhand eines konkreten Arbeitsablaufs. Erfassen Sie Zugänge, Datenbestand und Verarbeitung für einen normalen und einen arbeitsreichen Zeitraum. Prüfen Sie zugleich, was bei einem Anbieterwechsel weiter nutzbar wäre. Exportierbare Daten bedeuten noch nicht, dass Oberflächen, Regeln und Verbindungen mitwandern.

Kosten am Geschäftsfall erfassen

Beschreiben Sie einen Fall vom Eingang bis zum fachlichen Ergebnis. Bei einer hypothetischen Materialanforderung gehören dazu beispielsweise die Erfassung, eine Entscheidung und eine mögliche Übergabe an ein weiteres System. Berücksichtigen Sie auch Ablehnungen, Fehler und Wiederholungen.

GrößeFrage für die Planung
ZugangWer muss lesen, kommentieren, bearbeiten oder verwalten?
DatenbestandWie viele Vorgänge und Positionen bleiben gespeichert? Wie viel Speicher benötigen Anhänge?
VerarbeitungWie oft startet der Ablauf, und welche Schritte werden ausgeführt?
Weitere DiensteWelche Verbindungen haben eigene Tarife oder Grenzen?
WechselWelche Daten bleiben nutzbar, und was müsste neu eingerichtet werden?

Make verwendet Credits; der Verbrauch hängt von den verwendeten Modulen ab. Vergleichen Sie deshalb den Aufwand für denselben Geschäftsfall, nicht bloß die Zahlen der Kontingente. Tarif, Sonderfunktionen und individuelle Vertragsbedingungen müssen zum vorgesehenen Konto passen.

Bei Make haben Credits die früheren Operations als Abrechnungseinheit abgelöst; bestehende Pläne und Preise bleiben unverändert, die Kosten pro Credit variieren nach Tarif. Für Nicht-KI-Apps gilt: 1 Operation entspricht 1 Credit. Dasselbe gilt für KI-Apps von Drittanbietern wie OpenAI, Anthropic Claude oder Gemini.

Bei Modulen mit automatischen KI-Provider-Verbindungen kommt Token-Nutzung hinzu. Nutzen Sie in kostenpflichtigen Tarifen eine eigene KI-Provider-Verbindung, zahlen Sie die Token direkt beim Anbieter; die Credits richten sich nach den Operationen.

Eingebaute KI-Apps wie Make AI Web Search oder Make AI Content Extractor verwenden einen von Make gewählten KI-Provider. Credits basieren auf Token, Operationen und weiteren nutzungsabhängigen Faktoren.

Kosten am Geschäftsfall erfassen: fünf Prüfgrößen

  • ZugangWer muss lesen, kommentieren, bearbeiten oder verwalten?
  • DatenbestandWie viele Vorgänge und Positionen bleiben gespeichert? Wie viel Speicher benötigen Anhänge?
  • VerarbeitungWie oft startet der Ablauf, und welche Schritte werden ausgeführt?
  • Weitere DiensteWelche Verbindungen haben eigene Tarife oder Grenzen?
  • WechselWelche Daten bleiben nutzbar, und was müsste neu eingerichtet werden?

Make-Credits: Abrechnung im Überblick

Nicht-KI-Apps
1 Operation = 1 Credit
KI-Apps von Drittanbietern
1 Operation = 1 Credit
Automatische KI-Provider-Verbindungen
Token-Nutzung kommt hinzu
Eigene KI-Provider-Verbindung in bezahlten Tarifen
Token direkt beim Anbieter; Credits richten sich nach Operationen
Eingebaute KI-Apps
Credits basieren auf Token, Operationen und weiteren nutzungsabhängigen Faktoren

Wechselaufwand neben laufende Kosten stellen

Erfassen Sie getrennt, ob Sie Geschäftsdaten, Anhänge, Beziehungen und Kennungen übernehmen können und ob Ablaufregeln im Ziel neu gebaut werden müssen. Halten Sie auch fest, welche Konten, Berechtigungen und Verbindungen neu einzurichten wären. Ein CSV-Export beschreibt keine vollständige Anwendung; eine exportierte Ablaufdefinition ist keine Zusage, dass sie auf einer anderen Plattform läuft.

Wechselaufwand prüfen: Was zieht mit, was wird neu gebaut?

  • GeschäftsdatenÜbernehmbar oder neu zu erfassen?
  • AnhängeÜbernehmbar oder neu einzustellen?
  • Beziehungen und KennungenBleiben Verknüpfungen und IDs erhalten?
  • AblaufregelnMüssen Regeln im Ziel neu gebaut werden?
  • Konten, Berechtigungen, VerbindungenWelche Zugänge und Integrationen sind neu einzurichten?

Rechtliche Fristen und Pflichten beim Wechsel

SaaS-Verträge gelten in Deutschland überwiegend als Mietverträge. Der Anbieter schuldet die dauerhafte Gebrauchstauglichkeit der Software, nicht nur die einmalige Bereitstellung. Ein Auftragsverarbeitungsvertrag nach Art. 28 DSGVO ist bei jeder Verarbeitung personenbezogener Daten zwingend erforderlich. Ohne ihn drohen Bußgelder bis zu 10 Millionen Euro oder 2 Prozent des Jahresumsatzes.

Der EU Data Act verpflichtet Cloud-Anbieter seit dem 12. September 2025, den Anbieterwechsel technisch und vertraglich zu erleichtern. Die Kündigungsfrist ist auf höchstens zwei Monate begrenzt. Ab dem 12. Januar 2027 entfallen Wechsel- und Egress-Gebühren vollständig; bis dahin dürfen Anbieter nur tatsächliche Direktkosten berechnen.

Ab dem 12. September 2026 gelten die Data-Act-Wechselpflichten auch für Bestandsverträge, die vor diesem Datum geschlossen wurden. Klauseln, die die gesetzliche Minderung bei Verfügbarkeits-Ausfällen vollständig ausschließen, halten der AGB-Kontrolle nach § 307 BGB häufig nicht stand.

Unklare Verfügbarkeits-Zusagen, ein fehlender Auftragsverarbeitungsvertrag oder eine Exit-Klausel, die den Wechsel erschwert, sind typische Vertragsrisiken. Prüfen Sie diese Punkte für das vorgesehene Konto und den konkreten Vertrag, bevor Sie sich binden.

Data-Act-Fristen für den Anbieterwechsel

  • 12Seit . September 2025 — Cloud-Anbieter müssen den Anbieterwechsel technisch und vertraglich erleichtern; Kündigungsfrist höchstens zwei Monate
  • 12. September 2026 — Data-Act-Wechselpflichten gelten auch für Bestandsverträge, die vor diesem Datum geschlossen wurden
  • 12. Januar 2027 — Wechsel- und Egress-Gebühren entfallen vollständig; bis dahin nur tatsächliche Direktkosten erlaubt

Die Entscheidung festhalten

Stellen Sie für jeden Kandidaten den normalen Betrieb, eine plausible Spitze und den erwarteten Wechselaufwand nebeneinander. Kennzeichnen Sie eigene Mengen als Schätzung und dokumentierte Anbietergrenzen als solche. Bleibt eine für den Betrieb entscheidende Tarif- oder Exportfrage offen, klären Sie sie für das vorgesehene Konto, bevor Sie sich festlegen.

Entscheidung nachvollziehbar festhalten

  1. NormalbetriebMengen und Kosten für den normalen Zeitraum je Kandidat erfassen
  2. SpitzePlausiblen arbeitsreichen Zeitraum je Kandidat erfassen
  3. WechselaufwandErwarteten Aufwand für Daten, Regeln und Verbindungen danebenstellen
  4. KennzeichnungEigene Mengen als Schätzung, dokumentierte Anbietergrenzen als solche markieren
  5. Offene FragenEntscheidende Tarif- oder Exportfragen vor der Bindung klären

Lock-in-Risiken und Gegenmaßnahmen

Vendor Lock-in liegt vor, wenn Kunden so stark von den Produkten eines Anbieters abhängig sind, dass sich ein Wechsel wirtschaftlich nicht rechnet. Ursachen sind proprietäre Formate, Betriebssysteme, Programmierschnittstellen oder Protokolle, die die Interoperabilität mit Wettbewerbsprodukten einschränken oder verhindern.

Technische, prozessuale oder vertragliche Abhängigkeiten zwischen Produkt- oder Service-Komponenten können ein geschlossenes System bilden. Die Wechselbarrieren sind selten unüberwindbar, bedeuten aber hohen Aufwand und hohe Kosten.

Die Risiken können sich kumulieren. Dazu zählen erhöhte Gesamtkosten (TCO), eingeschränkte Skalierbarkeit, langsamere Innovation, geringere Agilität und begrenzte Resilienz.

Die Gesamtkosten (TCO) berechnen sich als Anschaffungskosten zuzüglich der Betriebskosten über die gesamte Lebensdauer. Als Gegenmittel zum Vendor Lock-in gelten Produkte, die branchenweiten Standards entsprechen; freie Standards werden nicht von einem einzigen Unternehmen kontrolliert.

Vendor Lock-in: Ursachen, Risiken, Gegenmittel

  • UrsachenProprietäre Formate, Betriebssysteme, Programmierschnittstellen oder Protokolle, die Interoperabilität einschränken oder verhindern
  • RisikenErhöhte Gesamtkosten (TCO), eingeschränkte Skalierbarkeit, langsamere Innovation, geringere Agilität und begrenzte Resilienz
  • GegenmittelProdukte, die branchenweiten Standards entsprechen; freie Standards werden nicht von einem einzigen Unternehmen kontrolliert

In diesem Leitfaden

  1. Unnötig laufende Workflows erkennenFinden Sie leere Abfragen, zu breite Auslöser und Schleifen, ohne gültige Geschäftsfälle durch eine Sparmaßnahme zu verlieren.
  2. Dokumentierte Plattformgrenzen vor breiter Nutzung prüfenPrüfen Sie Daten-, Ausführungs-, Schritt- und Zeitplangrenzen für den geplanten Ausbau eines internen Workflows.
  3. Einen Ausstieg mit exportierbaren Daten planenPlanen Sie den Wechsel einer No-Code-Plattform mit Datensätzen, Kennungen, Anhängen, Workflow-Logik und einem kontrollierten Schnitt.

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